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Lions Hornhautbank

Hornhautbank der Universitäts-Augenklinik Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation

Augenhornhauttransplantation - Rettung für das Augenlicht

Die Augenhornhaut ist das Fenster, durch das wir schauen und scharf sehen können. Kommt es zu einer Trübung der Hornhaut, z.B. durch Entzündung oder Verletzung, kann häufig nur eine Hornhauttransplantation die Sehkraft wiederherstellen.

In Deutschland werden jährlich ca. 6.000 Augenhornhäute transplantiert. Die Hornhauttransplantation gehört zu den ältesten Transplantationen überhaupt: Sie wurde erstmals im Jahr 1905 vorgenommen. Auch an der Universitäts-Augenklinik Würzburg werden Hornhauttransplantationen seit den 1960er Jahren durchgeführt. Diese Hornhautpatienten sind uns ein besonderes Anliegen.

Wann ist eine Transplantation erforderlich?

  • Infektionen der Hornhaut mit Narbenbildung
  • Eintrübung (z.B. durch Herpes-Viren)
  • Verwölbungen der Hornhaut (Keratokonus)
  • altersbedingte Veränderungen
  • Verletzungen, Verätzungen, Verbrennungen

Wie erfolgt eine Hornhauttransplantation?

Bei einer Hornhautverpflanzung wird die erkrankte Augenhornhaut durch eine Spenderhornhaut ersetzt. Der Operationsverlauf ist eine Routineoperation und dauert ca. 60 Minuten. Mit einem Rundmesser wird die erkrankte Hornhaut ausgeschnitten. Die gesunde Spender-Hornhaut wird entsprechend angepasst und in die entstandene runde Lücke unter dem Mikroskop mit feinem Nahtmaterial eingenäht.

Nach der Transplantation sind Augentropfen und regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt erforderlich. Die Fäden werden in der Regel nach 12-18 Monaten gezogen. Die Sehschärfe des operierten Auges wird sich in dieser Zeit langsam verbessern und kann, in Abhängigkeit von den Begleiterkrankungen des Empfängers, bis auf 100 Prozent ansteigen.

Viele Patienten erhalten durch eine Transplantation ihre Sehkraft zurück, können wieder ihrem Beruf nachgehen und am normalen Leben teilnehmen.

Nicole Michael lebt mit einer fortschreitenden Augenhornhauterkrankung. Bei einem sogenannten Keratokonus wird die Sicht mit den Jahren langsam immer schlechter, bis nur noch Konturen und Farbunterschiede wahrgenommen werden können. Im Alter von 22  Jahren ist Frau Michaels Sehschärfe bereits so weit zurückgegangen, dass nur noch eine Augenhornhauttransplantation helfen kann.

„Von der Möglichkeit einer Hornhautverpflanzung wusste ich nichts, bis meine Erkrankung mich in meiner Arbeit sehr stark einschränkte. So konnte es nicht weitergehen. Als die Nachricht kam, es gibt eine Spenderhornhaut für mich, ich soll ins Krankenhaus kommen, war das ein ganz großer, emotionaler Moment.“ Nach der Transplantation kann sie ihre Arbeit als Erzieherin im Kindergarten problemlos und mit Freude weiterführen: „Nach meiner Augenoperation habe ich sofort mit meinen Eltern über das Thema Gewebespende gesprochen, damit sie wissen, wie ich darüber denke. Auch ich möchte Gewebe spenden.“

Hornhautspenden sind ein Geschenk ans Leben

Jeder kann in die Lage kommen, auf eine gespendete Hornhaut angewiesen zu sein. Jährlich benötigen allein in Deutschland bis zu 8.000 Patienten eine Spenderhornhaut. Ihnen kann nur geholfen werden, wenn sich Menschen bereit erklären, ihre Augenhornhaut nach dem Tod zu spenden.

Voraussetzung zur Hornhautspende ist die Zustimmung des Spenders. Dies ist gesetzlich eindeutig in den Paragraphen 3 und 4 des Transplantationsgesetzes geregelt. Hornhauttransplantate stammen von Verstorbenen, die zu Lebzeiten entschieden haben, die Einwilligung zur Hornhautspende zu geben. Ist diese Entscheidung nicht bekannt, werden die Angehörigen gebeten, eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen zu treffen.

Wer kann spenden?

Jeder Verstorbene ist ein möglicher Hornhautspender. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Auch Brillen- oder Kontaktlinsenträger sowie Menschen mit einer Augenerkrankung oder sogar einer Augenoperation kommen als Spender in Frage. Selbst die meisten Krebserkrankungen sprechen nicht gegen eine Hornhautspende. Die Entnahme ist bis zu 72 Stunden nach eingetretenem Tod möglich.

Um die Übertragung von Infektionen zu verhindern, werden Hornhäute von Verstorbenen mit bestimmten Erkrankungen, wie z.B. AIDS, Hepatitis B und C von der Transplantation ausgeschlossen.

Was passiert bei der Entnahme?

Bei der Hornhautentnahme handelt es sich um einen kleinen chirurgischen Eingriff, bei dem in der Regel die Hornhaut mit dem Augapfel entnommen wird. Nach der Entnahme erfolgt umgehend eine prothetische Versorgung, so dass äußerlich nichts zu erkennen ist. Der würdevolle Umgang mit dem Verstorbenen steht dabei für alle Beteiligten an erster Stelle. Für die Angehörigen entstehen durch die Gewebespende keine Verzögerungen im normalen Ablauf der Bestattung.

Nach der Entnahme erfolgt die Beurteilung, Präparation und Aufbewahrung der Hornhaut in einer Hornhautbank. Für Gewebespenden am Universitätsklinikum Würzburg steht eine hauseigene Hornhautbank zur Verfügung. Durch die Zusammenarbeit im Netzwerk der DGFG kann eine möglichst gute Versorgung von Patienten erreicht werden.

Gewebespende: freiwillig, altruistisch, anonym

Die Gewebespende ist ein altruistischer Akt der Nächstenliebe. Weder der Spender noch seine Angehörigen erhalten durch die Einwilligung zur Gewebespende eine finanzielle Zuwendung. Jeglicher kommerzieller Handel ist gesetzlich untersagt.

Die Anonymität des Spenders und des Empfängers bleiben während und nach der Entnahme gewahrt. Die Daten des Spenders werden bei der DGFG vertraulich behandelt und anonymisiert. Es findet keine Zusammenführung von Spender- und Patientendaten statt.

Gewebespende – Helfen über den Tod hinaus

Viele Menschen in Deutschland stehen einer Organ- oder Gewebespende positiv gegenüber. Dennoch halten die wenigsten ihre Entscheidung schriftlich fest oder äußern ihren Angehörigen gegenüber, wie sie über dieses Thema denken. Ein vertrauensvolles Gespräch in der Familie kann Sicherheit geben. Haben Sie schon einmal daran gedacht?

Die Entscheidung zur Augenhornhautspende ist eine freiwillige und selbstlose Entscheidung, mit der Sie den Willen zeigen, nach Ihrem Tod einem anderen Menschen zu helfen. Ein Akt der Nächstenliebe, der Licht ins Dunkel bringt.

HELFEN Sie anderen Menschen, indem Sie einen Spendeausweis ausfüllen und stets bei sich tragen. Sie erhalten diesen Ausweis bei Ihrer Krankenkasse, beim Hausarzt oder in der Apotheke.

SPRECHEN Sie mit Ihrer Familie und mit Freunden über den Entschluss, durch eine Organ- oder Gewebespende nach dem Tod helfen zu wollen.

BEDENKEN Sie, dass vielleicht schon morgen Familienangehörige, Freunde oder sogar Sie selbst auf eine Organ- oder Gewebespende angewiesen sein können.

Hornhautbank der Universitäts-Augenklinik Würzburg

Hornhautspenden, die am Universitätsklinikum Würzburg betreut werden, werden in der klinikeigenen Hornhautbank untersucht, aufbereitet und bis zur Transplantation gelagert. Die Hornhautbank ist eine der ältesten in Europa. Sie wurde im Jahr 1969 durch Prof. Leydhecker ins Leben gerufen und erfüllt höchste Qualitätsstandards.

 

Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist eine gemeinnützige Gesellschaft. Sie stellt ein Netzwerk zahlreicher deutscher Kliniken, Gewebebanken und anderer medizinischer Einrichtungen dar, die ausschließlich im Bereich der nicht-kommerziellen Gewebespende tätig sind.

Die DGFG unterstützt ihre Kooperationspartner direkt vor Ort bei der Spende, bei der Aufarbeitung der Gewebe und der anschließenden Vermittlung. Die mit der DGFG kooperierenden Gewebebanken sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Hiermit wird den Bestimmungen des Transplantationsgesetzes entsprochen, das ausdrücklich jeglichen Handel und Gewinnabsichten mit Organen oder Geweben untersagt.

Zu den Aufgaben der DGFG gehören:

  • die Öffentlichkeit über die Gewebespende zu informieren
  • alle Abläufe, die mit der Spende im Zusammenhang stehen, zu dokumentieren
  • Gespräche mit Trauernden
  • die medizinische Überprüfung, ob ein Verstorbener Gewebe spenden kann
  • die fachkundige Entnahme von Geweben und der würdevolle Umgang mit dem Verstorbenen
  • die Vermittlung von Gewebetransplantaten

Kontakt

Lions Hornhautbank
Universitätsklinikum Würzburg
Augenklinik
Josef-Schneider-Straße 11
97080 Würzburg
Tel. 0931 / 201-20463
Fax 0931 / 201 620458

Ärztlicher Leiter:
Dr. med. Daniel Kampik, PhD
kampik_d@ukw.de

 

Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)
Feodor-Lynen-Str. 21
30625 Hannover
Tel. 0511-563 559 30
Fax 0511-563 559 55
info@gewebenetzwerk.de

Ansprechpartner für die Region Bayern:
DGFG-Büro Würzburg
Stefanie Eberhard
Tel. 0931-201-20325

Sebastian Pfnür
Tel. 0941-944-4483

Informationen zur Gewebespende und -transplantation (PDF)

Im Internet unter:
www.gewebespende.de

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